Querwechsler-Netzwerk arbeitet ab sofort hauptamtlich

Das Querwechsler-Netzwerk baut eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Team auf. Möglich macht das eine dreijährige Förderung der Stiftung Mercator, die am 1. Juni 2026 beginnt. Träger des Projekts ist die Lokalprojekte gGmbH.

Das Querwechsler-Netzwerk wurde 2020 von Dr. Katrin Suder, Dr. Isabell Nehmeyer-Srocke und Dr. Sebastian Muschter gegründet und verbindet heute mehr als 60 Menschen, die den Wechsel zwischen den Sektoren gewagt haben – aus Bundesministerien, Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft. Bislang wurde die Arbeit ausschließlich ehrenamtlich geleistet.

Anlass ist ein strukturelles Problem: Die personelle Durchlässigkeit der deutschen Verwaltung ist im internationalen Vergleich gering. Eine Studie der Hertie School zeigt, dass 53 Prozent der befragten Spitzenbeamtinnen und -beamten in Deutschland gar nicht oder weniger als ein Jahr in der Privatwirtschaft gearbeitet haben. Neue Kompetenzen gelangen so nur schwer in die Behörden – während gleichzeitig Fachkräfte fehlen und die Anforderungen an den Staat wachsen.

Drei Arbeitsschwerpunkte

Das Projekt setzt an drei Stellen an. Erstens bei den Behörden: Gemeinsam mit Pilotbehörden entsteht die Charta „Offene Türen in der Verwaltung“ – eine freiwillige Selbstverpflichtung nach dem Vorbild der Charta der Vielfalt. Bis 2029 sollen mindestens zehn Behörden aus Bund, Ländern und Kommunen als Erstunterzeichner gewonnen werden. Zweitens bei den Menschen: Das Netzwerk wird zu einer Mitgliederstruktur mit Mentoring-Tandems, Coaching und regelmäßigen Austauschformaten ausgebaut. Drittens beim öffentlichen Diskurs: Über Öffentlichkeitsarbeit, einen jährlichen Kongress und die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft soll sektorübergreifende Personalmobilität dauerhaft im Gespräch verankert werden.

Das Querwechsler-Netzwerk ist zugleich Teil der Plattform #Staatsmodernisierung der Hertie School, die Anfang 2026 gestartet ist und Projekte zur Umsetzung der Vorschläge der Initiative für einen handlungsfähigen Staat bündelt.

Stimmen

„Als wir das Netzwerk 2020 gegründet haben, ging es zunächst darum, dass wir uns nicht mehr als Einzelfälle fühlen mussten. Mein eigener Wechsel in die Kämmerei war nicht einfach – viele Behörden schienen nicht offen für Menschen aus der Privatwirtschaft zu sein. Heute wissen wir: Das ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Jetzt können wir es systematisch angehen, statt nur nebenher.“

Dr. Isabell Nehmeyer-Srocke, Gründungsmitglied und Beirätin des Querwechsler-Netzwerks

„Sechs Jahre lang haben Menschen dieses Netzwerk neben ihren Hauptjobs getragen. Dass daraus jetzt eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Team wird, verändert, was wir uns vornehmen können: nicht mehr nur Einzelne begleiten, sondern mit Behörden an ihren Strukturen arbeiten. Wir danken der Stiftung Mercator für das Vertrauen – und suchen ab sofort Verwaltungen, die mit uns die ersten Schritte gehen wollen.“

Carolina Leersch, Head of Operations · People & Culture des Querwechsler-Netzwerks und Co-Geschäftsführerin der Lokalprojekte gGmbH

Über das Querwechsler-Netzwerk
Das Querwechsler-Netzwerk setzt sich für mehr Durchlässigkeit zwischen privatem und öffentlichem Sektor ein. Es wurde 2020 gegründet und verbindet Fach- und Führungskräfte, die zwischen den Sektoren gewechselt sind. Träger ist die Lokalprojekte gGmbH. Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Mercator.

Über Lokalprojekte
Die LP – Lokalprojekte gemeinnützige GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main setzt Projekte zur Stärkung staatlicher Handlungsfähigkeit um und begleitet Veränderungsprozesse im öffentlichen Sektor. Satzungszwecke sind die Förderung der Volks- und Berufsbildung sowie die Förderung des demokratischen Staatswesens.

Pressekontakt
Carolina Leersch
Querwechsler-Netzwerk
carolina (at) querwechsler-netzwerk.de