Die Langfassung wurde am 29.09.2020 im Handelsblatt veröffentlicht.

Mehr Querwechsler für die Verwaltung!

Die deutsche Verwaltung hat einen enormen Reformbedarf. Das hat sich nicht zuletzt während der Corona-Krise gezeigt. Trotz hohem Engagement der Verwaltungsmit­arbeiterinnen und -mitarbeiter brachte insbesondere die mangelnde Digitalisierung die Verwaltung an ihre Grenzen. Es gibt eine Fülle von Ideen, wie es künftig besser gehen kann und soll. Um diese in den Verwaltungen zu etablieren, braucht es mehr Führungskräfte mit frischem Denken und hoher Umsetzungskompetenz.

Viele Köpfe aus der Wirtschaft – das zeigt eine aktuelle Studie der Hertie School – sind motiviert, sich unpolitisch und für die Wirkungssteigerung des öffentlichen Sektors einzusetzen. Die Studie zeigt, dass die Querwechslerinnen und Querwechsler Kompetenzen mitbringen, die der öffentliche Bereich bisher nur unzureichend fördert. Dieses große Potenzial an Innovations- und Gestaltungskompetenz gilt es für die Verwaltung zu gewinnen!

Hierfür sind unseres Erachtens fünf Faktoren wichtig:

  1. Klar aufzeigen, was die öffentliche Verwaltung als Arbeitgeber zu bieten hat: Der öffentliche Sektor trägt hohe Verantwortung und bietet spannende, sinnstiftende Aufgaben mit enormem Wirkungsgrad.
  2. Privater und öffentlicher Sektor müssen näher zusammenrücken: Viele Unternehmen haben erfolgreich Veränderungen umgesetzt, die die Behörden noch vor sich haben. Gerade bei Digitalisierung, Innovation und Kundenorientierung kann der öffentliche Sektor viel lernen. Umgekehrt profitiert der private Sektor von einem besseren Verständnis der öffentlichen Verwaltung, ein Stakeholder-Wissen, das in der Nach-Corona-Welt mit zunehmend staatlichem Einfluss auf Unternehmensentscheidungen zentral sein wird. Zum nötigen Erfahrungsaustausch und Querwechseln gibt es bereits erste wichtige Initiativen wie Tech4Germany & Work4Germany, Staat-Up sowie das Querwechsler-Netzwerk, die weiterentwickelt werden sollten.
  3. Diverse Teams sind erfolgreicher, innovativer und steigern die Effektivität: Querwechslerinnen und Querwechsler bringen neue Ideen und Erfahrungen ein, die gerade der öffentliche Bereich gut gebrauchen kann. Vielfalt meint immer auch Vielfalt der Sichtweisen und der Erfahrungen.
  4. Die Ausbildung der Beamtinnen und Beamten und der Verwaltungsangestellten sowie das Dienst- und Beamtenrecht brauchen dringend eine Reform: In der Ausbildung sollte der Nachwuchs weniger darauf getrimmt werden, wie man Zuständigkeiten abgrenzt, sondern wie man als Organisation lebenslang lernt und Synergien schafft. Das Dienst- und Beamtenrecht muss durchlässiger werden, um den Wechsel sowie interessante Karrieren zu ermöglichen.
  5. Wir müssen die Türen und Fenster öffnen: oft erscheint die Verwaltung verschlossen für Ideen von außen. In jeder Organisation – privat wie öffentlich – entstehen über die Jahre Gewohnheiten und Abläufe, die irgendwann überholt sind und neuen, moderneren Arbeitsweisen weichen sollten. Dafür braucht die Verwaltung Führungskräfte, die einen frischen Blick von außen mitbringen, aber dennoch sensibel im System agieren können. Querwechslerinnen und Querwechsler können dies leisten.

Das Potenzial der Querwechslerinnen und Querwechsler für eine moderne, effizientere Verwaltung in Deutschland ist immens. Dieses Potenzial sollten wir gemeinsam heben. Mit mehr Querwechslerinnen und Querwechslern in der Verwaltung.

Die Unterstützerinnen und Unterstützer

Dr. h.c. Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie Stiftung, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit; Dr. Katrin Suder, ehemalige Staatssekretärin; Dr. Sebastian Muschter, Leiter der Geschäftsstelle Frankfurt a. M. / Wiesbaden bei der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH; Dr. Isabell Nehmeyer-Srocke, Leiterin der Kämmerei der Stadt Köln; Verena Pausder, Spiegel Bestseller Autorin „Das Neue Land“; Dr. Stefanie Lejeune, StS a.D., GÖHMANN Rechtsanwälte Berlin; Thomas Heilmann, MdB, Mitglied im CDU/CSU Fraktionsvorstand, Autor von „Neustaat“; Teresa Conrad, Direktorin Creative Bureaucracy Festival; Professor Dr. Gerhard Hammerschmid, Professor of Public and Financial Management, Hertie School; Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit; Thomas Semelka, Geschäftsführer der EversheimStuible Treuberater GmbH; Dr. Sebastian Thomasius; Marcel „Otto“ Yon; Christian Pfromm, Chief Digital Officer der Freien und Hansestadt Hamburg; Dr. Birgit Grundmann, StS a.D.; Mario Czaja, Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin, ehemaliger Senator für Gesundheit und Soziales; Dr. Levin Holle, Vorstand Finanzen & Logistik der Deutschen Bahn AG; Ines Fiedler, Direktorin als Beauftragte für die Netze des Bundes, BDBOS – Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, ehem. Vorständin, ITDZ Berlin; Dr. Rainer Heinz, Leitung Referat Strategische Steuerung der Stadt Köln; Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin Gemeinnützige Hertie-Stiftung; Patrick Kunkel, Bürgermeister Stadt Eltville am Rhein; Vincent Patermann, Geschäftsführer des NExT e.V.; Lars Zimmermann, Managing Director PUBLIC; Philip von Haehling, Geschäftsführer BwConsulting GmbH; Christian Böhning, Vorstand CORE SE; Ulrich Meister, Gründer LeapFrog Consulting GmbH; Dr. Simon Vogt, Head of IBM Garage for Defense; Dr. Thierry Jean Ruch, Referent für Digitale Finanztechnologien im Bundesministerium der Finanzen; Christiana Lang, Geschäftsführerin DigitalService4Germany GmbH; Birgit Spors, Bereichsleiterin Marketing & Digitale Kanäle KfW Bankengruppe; Miriam Luckhardt, BMVg; Martin Jordan, Head of Service Design, UK Cabinet Office; Ulrich Troeller, CEO Enteos GmbH; Dr. Michael Simon, Leiter Amt für Bau und Immobilien der Stadt Frankfurt am Main; Hilmar Schmidt, Managing Partner / Leiter Geschäftsfeld Öffentlicher Sektor Kienbaum Consultants International; Heinz Richartz, Interim Manager HR@IM; Dr. Thomas Helmke, CEO publecon GmbH; Dr. Jörg Mayer-Ries, Bundesministerium für Umwelt; Stefan Bornemann, CEO/Managing Director lead & conduct ! – GmbH

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